Kai-Uwe Götz
Fotografie  und Lyrik 


Meeres-Schönheiten


Jeder der an einem Strand entlangwanderte hat es schon einmal getan: Muscheln und Seeigel gesammelt. Die schönsten Exemplare nimmt man dann als Andenken an einen, hoffentlich, schönen Urlaub mit.
Doch dann fristen sie meist ein wenig beachtetes Dasein als Deko in einer Vitrine oder im Badezimmer.


Aber Muscheln und Seeigel sind nicht nur wunderbare Schätze des Meeres, sondern sie besitzen auch eine tiefe spirituelle Bedeutung. Die Muschel ist z.B. tief in der griechischen Mythologie verwurzelt und symbolisiert göttliche Präsenz und Macht. Besonders hervorzuheben ist die Jakobs- oder Pilgermuschel, die als Fahrzeug des mächtigen Meeresgottes Poseidon galt. Diese Muschelart findet man entlang der Küsten des Atlantiks und sie spielt eine zentrale Rolle in den Erzählungen um Poseidon. Ebenso wird die Geburt der Aphrodite, der Göttin der Liebe und Schönheit, mit Muscheln in Verbindung gebracht. Sie soll aus dem Schaum des Meeres, der von Muscheln umgeben war, entstanden sein. Dieses Bild der aus einer Muschel geborenen Göttin inspirierte zahlreiche künstlerische Darstellungen, einschließlich des berühmten Gemäldes „Die Geburt der Venus“ von Sandro Botticelli.


Die Muschel ist auch das Sinnbild für Maria, die Jesus geboren hat. Hier ist die Perle das Sinnbild für Jesus. Bei der Taufe wird die Muschel auch zum Wasserschöpfen verwendet. Viele Tauf-becken oder die Weihwasserbecken in den Kirchen haben die Form einer Muschel. Die Jakobsmuschel ist ein bedeutendes Symbol im Christentum und dient als Erkennungszeichen für Pilger, die das Grab des Heiligen Jakobus in Santiago de Compostela besuchen… usw. usw.


Die Symbolik des Seeigels im Altertum ist nicht so prominent wie die anderer Meerestiere, aber er wurde oft mit Schutz, Verteidigung (durch seine Stacheln), Langlebigkeit und
Wiedergeburt/Kreislauf des Lebens assoziiert, da er im Meer heimisch war und als Delikatesse diente, während versteinerte Seeigel (Faune) als Amulette für Glück und Schutz vor bösen Geistern galten und als "Donnersteine" interpretiert wurden, die mit der Erde verbunden waren.


Doch ihre wahre Schönheit geben sie nur preis, wenn man (wie so oft im Leben) etwas Licht ins Dunkle bringt …